phadler.de/
Mobile Navigation

Offener Brief an den Planungs- und Baureferent der Stadt Nürnberg, Daniel F. Ulrich

Sehr geehrter Herr Ulrich,

am vergangenen Samstag, den 7. September 2019 kam es erneut zu einem riesigen Rückstau in unser Parkhaus (Adlerparkhaus, Adlerstraße 4-8). Ab 15:40 Uhr bis 21:30 Uhr hatten wir diesen Rückstau stadtauswärts. Stadteinwärts bestand er von 16:00 Uhr bis 19:50 Uhr. Das sind nicht mehr haltbare Zustände. Mehrere Kunden und auch ich haben bei der Polizei angerufen und darum gebeten, sich um den Stau zu kümmern. Es gab immer nur die gleiche Aussage „Wir kümmern uns darum“ - aber nichts ist geschehen.
Was ist bitte so schwer daran, eine vernünftige, zweispurige Fahrbahn zu gewährleisten? Kann man nicht im Falle eines gravierenden Staus, wie er nun mal tatsächlich bestand, die Ausfahrt in die Färberstraße ableiten bzw. über die Bankgasse, Lorenzer Platz und Lorenzer Straße?
Die Wut der Menschen an diesem Nachmittag/Abend war diesmal enorm. Wenn eine Verengung politisch gewollt ist, dann sagen Sie das bitte ganz offen und teilen Sie es auch den Menschen mit. Seit ein paar Jahren kommen immer wieder diese Staus vor, jedoch noch nie in diesem Ausmaß. In der Adventszeit kam es in den vergangenen 5 Jahren an verschiedenen Tagen öfter zu solchen Stauungen, jedoch längstens bis 1,5 Stunden. Eine Dauer von über 4 Stunden, wie gestern geschehen, ist nicht mehr normal und muß aufgelöst werden.

Selbst als in unserem Hause wieder frei befahrbare Stellplätze belegt werden konnten, wurde die Stausituation nicht besser, da der Stau stadtauswärts weiterhin bestehen blieb. Laut Kunden und vorbeilaufenden Personen gab es bereits am Plärrer Stau.

Was wäre geschehen, wenn in einer solchen Situation auf halber Staulänge die Feuerwehr oder ein Rettungswagen einen Einsatz gehabt hätte? Pech gehabt? Umweg von 5 Minuten, sorry Herzpatient.

Mögliche Lösung: Die auf der rechten Seite befindlichen Parkplätze in der Vorderen Ledergasse (stadtauswärts) sollten meiner Meinung, wie bereits mehrfach angesprochen, abgeschafft werden. Eine derartige Verengung ist für einen reibungslosen Verkehrsfluß unangepasst. Meiner Meinung nach trägt ein Stau auch nicht gerade zur Reduzierung von Feinstäuben oder dergleichen bei, sondern erhöht den Ausstoß an Abgasen enorm. Daher sollte es auch im Interesse der Stadt sein, Stauungen zu vermeiden.
Ihr Argument, dass die dort vorhandenen Stellplätze absichtlich bestehen bleiben, um Raser auszubremsen, erschließt sich mir und unseren Kunden nicht. Warum stellt man stattdessen nicht einfach einen festen Blitzkasten auf? Die Einnahmen daraus sollten die Einnahmen aus den Parkautomatengebühren der Straßenparker wahrscheinlich sogar übersteigen.

Es ist auch zu beobachten, dass sehr oft Autos im Absoluten Halteverbot und in Feuerwehranfahrtszonen zwischen Vorderer Ledergasse und Adlerstraße parken. Verständlich – denn diese werden ja auch so gut wie nie aufgeschrieben und mit den entsprechenden Kosten belegt. Zumindest in der Wendeschleife (und Feuerwehranfahrtszone) vor unserem Hause kann man das jeden Tag sehr gut beobachten. Wenn es mal eine Polizeistreife interessiert, dann werden die dort parkenden/haltenden Autos einfach nur weggeschickt. Ganz selten auch tatsächlich aufgeschrieben.

Da die Zu- und Abfahrt im Prinzip seit sehr vielen Jahren gleich ist, die genannten Stauungen aber in den letzten 5 Jahren zusehends zugenommen haben, ist die Frage, was ist passiert? Meiner Meinung nach sind die zu erwartenden Strafen für Falschparker mittlerweile viel zu gering und das Durchsetzen dieser hat stark nachgelassen. Außerdem wurden durch die Stadt, wie Sie selbst geschrieben haben, am Straßenrand Parkplätze eingerichtet, um Raser abzubremsen. Aber dadurch werden alle anderen Autofahrer (und Radfahrer) ebenso behindert.

In anderen Städten werden Falschparker konsequent abgeschleppt. Die hierauf entfallenden Gebühren werden sicherlich den ein oder anderen abschrecken. Warum klappt das in Nürnberg nicht?

Es ist seit Jahren klar, dass die Stadt und manch andere Menschen den Autoverkehr aus der Innenstadt verbannen wollen. Schaut man sich aber die Vergangenheit an, so stellt der ein oder andere fest, dass früher mehr Geschäfte über ausreichend Kundschaft verfügten als heute, weil man noch ein paar mehr Straßen befahren konnte.

Auch im Gespräch mit Einzelhändlern wird dies klar. Dass man den Autoverkehr in die bereits geschlossenen Straßen nicht mehr zurückholen kann muß man akzeptieren. Aber warum muß man die vorhandenen Möglichkeiten weiter beschränken?

Für Fahrradfahrer und Fußgänger ist in unserer Fußgängerzone enorm viel Platz. Hier könnte man gut und gerne 3 Meter breite Fahrradstreifen markieren die durch die König-, Kaiser-, Karolinenstraße und Breite Gasse führen. Einfach farblich Markieren und fertig. Somit müssten sich die Fahrradfahrer auch nicht durch stehende Autos schlängeln.

Womit wir wieder am Anfang wären: Warum müssen eigentlich Autos auf der Straße stehen? Sie sollten fahren – also in Bewegung sein bis ein gültiger Parkplatz gefunden wurde. Aber dieses Vorhaben wird immer mehr beschnitten. Umwelt hin, Umwelt her – eine gewisse Mobilität sollte jedem Menschen zustehen. Wer Laufen möchte kann Laufen, wer Fahrradfahren möchte soll dies tun und wer im Auto sitzen und fahren will sollte dafür auch die Möglichkeit bekommen. Es kann doch nicht sein, dass einem eine bestimmte Fortbewegungsmöglichkeit untersagt wird. Warum ist hier immer wieder nur von Verboten die Rede und nicht von einem geprägten Miteinander?

Wenn vor mir ein Fahrradfahrer fährt und ich als Autofahrer nicht überholen kann, dann muß ich eben langsamer fahren und auf die entsprechende Möglichkeit warten. Ebenso verhält es sich als Fahrradfahrer, wenn vor mir Fußgänger sind. Warum laufen Fußgänger ohne zu Schauen auf die Straße? Warum brettern Autofahrer ohne Rücksicht durch verkehrsberuhigte Zonen oder Spielstraßen? Warum fahren Radfahrer zu dicht an Fußgängern vorbei oder schreien diese an damit sie zur Seite gehen? Warum fahren Radfahrer in Schlangenlinien vor dem Auto?
Weil viel zu viele Egoisten mittlerweile diesen Planeten bevölkern.

Und damit bin ich wieder bei den Falschparkern und Rasern. Warum macht man das? Um andere zu ärgern damit diese dann im Stau stehen? Um sein Recht auf freie Gestaltung seines Lebens einzufordern? Um anderen zu zeigen: „Ich darf das!“?

Wir sollten uns alle wieder mehr um ein Miteinander kümmern. Rücksicht nehmen. Nachdenken.

Daher plädiere ich für eine stauungsfreie Zu- und Abfahrt der Innenstadt, egal in welchem Bereich.

Reduzierung des Autobestandes? Ja, warum nicht. Aber wie soll das gehen? Wieder ein Verbot aussprechen dass jede Familie nur noch ein Auto besitzen darf? Nein, es sollte sich jeder an die eigene Nase fassen und überlegen: Brauche ich das Auto? Auch ich als Parkhausbetreiber sehe kein Problem darin, wenn weniger Autos auf den Straßen wären. Denn auch weniger Autos wären noch genug zufriedene Kunden und zudem würden diese viel entspannter ankommen, da sie vorher nicht schon im Stau gestanden oder sich über Falschparker aufgeregt hätten.

Weniger Autos auf die Straße? Ok. Aber es sollte jedem selbst überlassen sein wie er sich fortbewegt.

Mehr Fußgängerzone? Schwierig. Fragen Sie mal die Einzelhändler.

Mehr Fahrradwege? Klar. Platz in der Fußgängerzone wäre meiner Meinung nach vorhanden (siehe oben). Hier müsste eben Rücksicht auf beiden Seiten groß geschrieben werden – bei Fußgängern und Radfahrern.

Ich verstehe auch nicht, warum auf den Autofahrern immer rumgehackt wird. Warum giften sich viele Fahrradfahrer, Fußgänger und Autofahrer immer so an? Kann man nicht friedlich koexistieren? Kann man nicht einfach die Entscheidung des anderen akzeptieren? Warum muss man anderen Personen immer den eigenen Lebensstil aufzwingen? Lasst halt die einen VGN fahren, die anderen mehrere Fortbewegungsmittel kombinieren, die anderen nur Laufen und den Rest einfach Auto- oder Fahrradfahren. Es gibt ein Miteinander. Aber anscheinend gibt es nur noch ein Gegeneinander. „Ich gegen den Rest der Welt“. „Ich war zuerst in der Engstelle, darum darf ich weiter fahren. Geht nicht? Dann fahr halt da vorne zurück du Depp . Was? Geht nicht? Egal. Ich bleibe stehen. Ich habe das Recht auf meiner Seite.“

Fazit: Die Verkehrssituation wie sie aktuell besteht kann so nicht bestehen bleiben. Ein paar Lösungsvorschläge habe ich hiermit beigetragen. Es geht mir um eine vernünftige Diskussion und um vernünftige Überlegungen ohne jemandem etwas vorzuschreiben oder aufs Auge drücken zu wollen. Sachlich bleiben und Nachdenken.

In diesem Sinne,
Uwe Krieger
Parkhaus Adlerstraße GmbH
Adlerstraße 4-8
90403 Nürnberg